Die Göttin der Hexen und Wicca

Sicht auf die weibliche Spiritualität im heidnischen Jahreskreis

18.02.2008 Shermin Arif

Modernes Hexentum und der alte keltische Pfad: die Dreifaltigkeit der Göttin: Jungfrau - Mutter - Alte (Mother - Maiden - Crone)

Die Bezeichnungen „Mother – Maiden – Crone“ stammen aus dem englischen Sprachraum und sind im heidnischen Bereich eigentlich die bekannteren Schlagworte, wenn es darum geht, den Zyklus der großen Göttin zu beschreiben. Warum englisch? Diese Form der Religiosität lebte vor allem in England zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts neu auf – bzw. wurde dort als „Wicca“ überhaupt erst begründet.

Wicca - dualistisches Prinzip von Göttin und Gott

Vielen heidnischen Glaubensgruppen (zum Beispiel Wicca und modernen Hexen) ist gemein, dass sie an das dualistische Prinzip von Göttin und Gott glauben. Oder anders ausgedrückt: an die Allgewalt der Natur und die durch das weibliche und männliche Prinzip dargestellten Abläufe in derselbigen.

Keltische Kunst / Celtic Knotwork: die dreifaltige Göttin

Neben den verschiedenen keltischen und nicht-keltischen Götternamen (Kulturen werden hier inzwischen wild gemischt) und diversen lokalen oder landesweiten Gottheiten, war und ist die Ansicht der Dreifaltigkeit der großen Göttin eigentlich allgemeines Gut. Sie schlug sich auch in der traditionellen keltischen Kunst im „celtic knotwork“ (keltisches Knotenwerk) nieder. Hier gibt es mannigfaltige überlieferte Formen von Triquetas und Triskelen, mit oder ohne integriertem Kreis (Hinweis auf den Aspekt der Mondgöttin im Gegensatz zum männlichen Prinzip des Sonnengottes).

Diese Trinität steht für die drei Lebensalter der Göttin, mit denen sie zum einen die sich verändernde Natur und die an dem Kreislauf des Lebens orientierten heidnischen Festtage repräsentiert. Grob kann man es auch als „Geburt – Leben – Tod“ interpretieren. Später wurden diese Darstellungen vom Christentum, so interpretieren es manche, auch als die heilige Dreifaltigkeit „Vater – Sohn – heiliger Geist“ aufgegriffen.

Die Natur als Vorbild - Veränderung der Gottheiten im heidnischen Jahresrad

Die Göttin in ihren unterschiedlichen Lebensaltern ist also eine symbolische Figur des sich verändernden Jahres mit seinen, sich auf die Menschen auswirkenden, Jahreszeiten. Zu Beginn des Frühjahrs wird sie als jungfräuliches Mädchen (Maiden) dargestellt, im Sommer und zur Erntezeit als voll erblühte, reife und oft schwangere Frau (Mother). Im Herbst altert sie und im Winter verdorrt sie äußerlich ebenso wie die lebensspendende Vegetation und trifft auf ihre dritte Inkarnation: die der weisen, aber auch fruchterregenden Alten (Crone). In vielen unserer heutigen Märchen (zum Beispiel Frau Holle) treffen wir auf Überbleibsel alter Gottheiten, die sich hier bis heute gehalten haben.

Der Zyklus der Figur der Göttin im heidnischen Jahreskreis:

1. Yul

Es ist Winter, die Göttin beherrscht die Welt vorrangig in ihrem Aspekt als unerbittliche und todbringende Alte – Spiegelung der lebensfeindlichen Natur. Gleichzeitig schenkt sie allerdings zu Mittwinter dem männlichen Gott das Leben.

2. Imbolc

Erscheinen der jungen, reinen Göttin als junges Mädchen. Sinnbild der langsam zu neuem Leben erwachenden und knospenden Umwelt.

3. Ostara

Erstes Fruchtbarkeitsfest. Die junge Göttin trifft zum ersten Mal auf ihren Geliebten. Vorsichtige Annäherung.

4. Beltaine

Eines der Hochfeste, zweites Fruchtbarkeitsfest. Die endgültige sexuelle Vereinigung von Göttin und Gott. Zügelloses feiern der vor Vitalität explodierenden Natur.

5. Litha

Wandlung zur fruchtbaren Muttergöttin. Ihr Leib wird langsam schwerer, wie die wachsenden Früchte auf Feldern und Bäumen.

6. Lughnasad

Der Aspekt der nährenden Mutterschaft korrespondiert mit dem Charakterzug der unerbittlichen Schnitterin. Der Gott, ihr Geliebter und Gefährte, stirbt von ihrer Hand den Opfertod für ihre Kinder.

7. Mabon

Ihr Leib rundet sich immer mehr, es ist endgültige Erntezeit. Der Herbst beginnt, der Winter wirft schon seinen dunklen Schatten. Die Menschen bringen Dankopfer aus um sich den Segen der Götter in der dunklen Jahreszeit zu sichern.

8. Samhain

Das endgültige Ende der Sommerzeit und keltisches Totenfest. Die Welt untersteht jetzt vollkommen der winterlichen Herrschaft der Alten, der Zaunreiterin zwischen den Welten – bis sich der ewige Kreislauf wieder schließt und von neuem beginnt.

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