Der Gott der Hexen und HeidenDie männliche Gottheit im Heidentum – oft vernachlässigt.
Gerade Frauen die den „alten Pfad" einschlagen und sich dieser Naturreligion zuwenden, begehen häufig den Fehler dies nur als Religion der großen Göttin zu sehen.
Halt, da war doch was? Genau, in der Natur kommt auch das männliche Prinzip vor. Weibliche Selbstbefruchtung ist schließlich relativ selten. Zum Einen liegt dies in der Zeit des starken Feminismus begründet. Gerade in Amerika gründeten sich viele dianische Coven, die Männern, aufgrund ihres Kampfes für die Rechte der Frau und auch aus Misstrauen gegenüber unserer partriarchaischen geprägten Kultur, sehr skeptisch gegenüber standen. Zum Anderen befassen sich viele Frauen die in Wicca-Coven eintreten, heidnisch allein oder in Gruppen unterwegs sind erst einmal mit der weiblichen Seite. Meist führt diese Selbstbeschäftigung mit sich als Frau überhaupt erst auf diesen spirituellen Weg. Man fühlt sich anfangs mehr zu der fruchtbaren, lebensspendenden, schützenden aber auch rachsüchtigen und tödlichen Allmutter hingezogen und verliert sich oftmals erstmals in einem Strudel der Göttinnenspiritualität. Das die Göttin einen Gefährten hat, der auch bei den Kelten nicht gerade unbedeutend war, verliert sich da meist in einem Nebel der glückseligen Entdeckung der weiblichen Mysterien. Gibt es überhaupt einen männlichen Gott?So verschlägt es einigen, die sich schon länger mit der Thematik beschäftigt haben, manchmal etwas die Sprache, wenn zum Beispiel eine „Junghexe“, die flammend die keltische Göttin Brigid verehrt, plötzlich inne hält und leicht verwirrt fragt: „Gibt es da eigentlich auch was männliches?“ In diese „Falle“ tappen viele und die Antwort ist klar: Natürlich gibt es auch eine männliche Gottheit – ebenso wie zu Geburt, Leben und Sterben untrennbar ein männlicher Part in der Natur gehört. Den männlichen Aspekt vollkommen auszuklammern aus Denken, Leben und Fühlen wäre wohl falsch. Sicherlich kann man seinen religiösen Schwerpunkt auf die weiblichen Aspekte setzen, aber wenn man auf Dauer mit aller Macht jeglichen männlich-anmutenden Bereich ausmerzen will, sollte man sich intensiver damit und der Frage nach dem persönlichen „Warum?“ auseinandersetzen. Um sich dies zu verdeutlichen kann man ein Symbol aus dem östlichen Kulturkreis zu Hilfe nehmen: das Ying und Yang. Weiblich und Männlich halten sich hier gleichberechtigt in der Waage. Doch in jedem ist eine Spur des anderen Prinzips erhalten, die lebensnotwendig ist. Die Natur als GottheitEbenso wie die Göttin in ihren unterschiedlichen Lebensaltern eine symbolische Figur des sich verändernden Jahreslaufes ist (Maiden – Mother – Crone), so trifft dies auch auf ihren Gefährten, den Gott, zu. Namen hat er viele - er ist Sinnbild für das Leben, das die Göttin spendet und für die Früchte von denen wir uns nähren. An Yul tritt er erstmalig in unsere Welt. Zu Beginn des erwachenden Jahres wird er als junger Mann dargestellt, der erstmalig auf seine Geliebte trifft.Zu Beltaine, einem der Hochfeste, vereinigt sich das liebende Paar in der hohen Hochzeit. Der Beischlaf ist Symbol für die Natur die jetzt – ebenso wie die Göttin – befruchtet wird und Früchte trägt. Später, zur Erntezeit, der Leib der Göttin beginnt sich schon zu runden, steht der strahlend-sonnige Korngott im Zenit seiner Macht, bevor er zu Lughnasad von der Hand der Schnitterin (der dritten Inkarnation der Göttin) für uns den Opfertod stirbt, damit wir, seine Kinder, leben können. Ein plastisches Sinnbild für die Feldfrüchte die abgeerntet werden und ihren Weg in unsere Bäuche und Vorratskammern für den Winter finden. Zu Yul, dem ersten Fest des neuen Jahres und in der längsten und dunkelsten Nacht (Mittwinter), wird der strahlende Lichtbringer von der Muttergöttin, als Born der Hoffnung im lebensfeindlichen Winter, geboren. Winterzeit – früher oft tödlich. Kälte, Nahrungsmangel, lange Dunkelheit, wenig Tageslicht. Alles ist verdorrt, von Eis und Schnee bedeckt – kein Wunder, dass die Menschen genau in dieser furchtbaren Periode einen Quell der Hoffnung benötigten. Ein göttliches Zeichen, dass sie nicht verlassen wurden, die Sonne wieder scheinen, Wärme und Licht wieder ihre Haut berühren würden. Die Geburt von Erlösergottheiten verschiedenster Religionen (Christus, Sol Invictus, Mithras) wird nicht nur zufällig um diesen Tag herum datiert. Der unendliche Kreislauf des Lebens beginnt erneut.
Der Artikel Der Gott der Hexen und Heiden in Alte Religionen & Alternativreligionen unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Der Gott der Hexen und Heiden ist Shermin Arif.
Ähnliche Artikel
Ähnliche Themen
Schlagworte
Mehr in Geist & Seele
|